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Womit leben wir?: Der Exorzist (1973)

Wenn ich mir aktuell erfolgreiche Horrorfilme wie ES oder das 2009 erschienene Reboot von Freitag der 13.  ansehe,  wird mir wieder und wieder schmerzlich bewusst, wie sehr das Genre an seiner Salonfähigkeit seit den 90ern leidet. "Große" Horrorfilme von Big-Budget-Studios sind heute keine Seltenheit mehr und leben in erster Linie von plumpen Schockeffekten und CGI-Überladung. 

Doch das war nicht immer so. In einer Zeit, als Horrorfilme meistens in schäbigen Bahnhofskinos, in Autokinos oder in Mitternachtsaufführungen über die Leinwand flimmerten, erschien ein Film, der mit bekannten Darstellern, großem Budget und einem der renommiertesten Filmstudios seiner Zeit aufwarten konnte und trotzdem wunderbar funktionierte - im Dezember 1973 ließ Warner Bros. The Exorcist auf das Publikum los. Mythen und Legenden umranken die ersten Aufführungen: in New York City sei es während des Films zu Fehlgeburten gekommen, Menschen mussten sich angeblich übergeben, christliche Therapeuten sp…
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Laserdisc: Kate Bush - The Whole Story

A pure dialogue of fiction:
-Kate is on television? 
-Yeah, but she doesn't seem comfortable with it.
-What a shame.

Als ich im vergangenen Sommer in einem kleinen Plattenladen in Amsterdam, eingepfercht zwischen mal mehr, mal weniger empfehlenswerten "Irish Pubs", Hotels und fremdländischen Souvenirshops, die DVD Peter Gabriel: PLAY the Videos in den Händen hielt, kam ich nicht umhin, mich zu fragen: Wieso hat Kate Bush eigentlich nie eine DVD veröffentlicht? Und das frage ich mich immer noch. Der einzige Weg, heute noch an eine (offizielle) physische Kopie der oft fantastischen Kurzfilme, die Songs wie Cloudbusting oder The Dreaming veredeln sollten, zu gelangen, ist die Anschaffung einer der VHS/Laserdisc-Compilations, mit denen EMI in den 80ern möglichst viel Profit aus der Britin herausquetschen wollte. Um eine möglichst komplette Werkschau zu bekommen, fiel meine Wahl auf The Whole Story, erschienen 1986, auf der zwar die drei Videos von The Sensual World sowie die Re…

David Bowie - Scary Monsters (...and Super Creeps)

David Bowie war zeit seines Lebens - und insbesondere während der Siebziger Jahre, in denen er künstlerisch auf dem absoluten Zenit war - damit beschäftigt, sich ständig neu zu erfinden. Von Ziggy Stardust angefangen, sollte man ihn bis 1979 noch als Aladdin Sane, Halloween Jack, den Thin White Duke und schließlich als eine Art frühen New Wave-Propheten mit dem Hang zu Industrial und World Music erleben. Und so lautete 1980, vor Veröffentlichung seines vierzehnten Studioalbums, welches den Titel Scary Monsters (and Super Creeps) tragen sollte, die berechtigte Frage: Wer ist Bowie diesmal? Was kann man sich von diesem Typen eigentlich nicht mehr erwarten? Die Antwort ist vor allem eines: laut.

Und das ist nur gut so: mag Diamond Dogs noch so sehr Bowies Protestalbum gewesen sein, eine musikalische Hommage an George Orwell unter dem Motto this ain't rock 'n' roll, this is genocide!, so herrscht auf Scary Monsters deutlicher als jemals davor bei Bowie das Laute, die Aggressio…

Pink Floyd - The Dark Side of the Moon

Zeitgeist is a bitch: auf dem Zenit ihres Erfolges waren Pink Floyd bereits von sich selbst überholt worden.

Zu Anfang ist die Entwicklung dieser Band eine in den Sechzigerjahren vorbildhafte, weil geradezu unerhört seltene gewesen: unter der Führung des LSD-Dauerkonsumenten Syd Barrett widmete man sich dem damals so beliebten Psychedelic Rock, zu dem sich wohl Millionen Hippies auf beiden Seiten des Atlantik diverse Stoffe genehmigt haben. Nach dem Ausscheiden des zunehmend verrückt gewordenen Lockenkopfes, der vorzugsweise über Gnome und das All schrieb, begann langsam ein anderer Wind bei Pink Floyd zu wehen, und spätestens mit dem 1971 erschienenen Meddle war die Band endgültig auf die Progressive-Rock-Schiene geraten, die zu diesem Zeitpunkt bereits fleißig von King Crimson oder Genesis bedient wurde. Und hört man sich eine Komposition wie das 23-minütige Echoes an, so wird ersichtlich, dass Pink Floyd für diese Musikrichtung verdammt viel Potential hatten und womöglich zu den una…

Prince - 1999

Weiter als Controversy, lauter als Sign O' the Times und besser als Purple Rain.

Dabei lassen sich Elemente aller drei Platten bereits am sehr surrealen Cover erahnen: das Collagenhafte von Controversygeht mit dem lila Regen und der Überfüllung des 87er-Doppelalbums eine einzigartige Symbiose ein, die Lust auf den präsentierten Inhalt macht. Und der hat es auf dem 1982 erschienenen, ebenfalls als Doppel-LP angelegten 1999 des klein geratenen Wunderkindes aus Minneapolis ganz schön in sich - um es kurz zu machen, es geht bei Prince um Sex, und zwar verdammt viel davon. Und da die Songs fast alle mindestens sechs Minuten dauern, dürfte Prince bei der Gesamtlauflänge der Platte von 71 Minuten wohl auch eine praktische Anwendung derselben vorgestellt haben... ;)

Beginnen wir also: der Titeltrack eröffnet das Album und zeichnet ein apokalyptisches Untergangsszenario, das in Zeiten von Cold War-Paranoia und Dystopien wie Der Tag danach wohl einiges an gesellschaftlicher und politischer B…

Peter Gabriel (Melt) - Die kreative Pubertät findet ein Ende...

...und der ehemalige Genesis-Sänger sein künstlerisches Selbst.

Dabei wollte der Brite mit der quäkerischen Stimme nach dem Ausstieg bei Genesis 1975 nichts mehr mit der Musikbranche zu tun haben: Aufgrund psychischer Probleme sowie der berühmt-berüchtigten kreativen Differenzen trennte sich Gabriel vom Rest der Band und zog sich zurück. 1977 dann ein erster eigener Aufschrei mit Solsbury Hill und dem dazugehörigen Album Peter Gabriel ("Car") - ambitioniert, aber in weiten Teilen noch ziemlich ausbaufähig. Mit dem Nachfolger ("Scratch") wird das Chaos in der Musik kontrollierter, harte Töne werden auch geschickter eingesetzt, dennoch reicht es noch nicht zum Durchbruch. Und der New Musical Express urteilt in weiser Voraussicht: ...da ist eine Reinheit, eine Stärke in diesen Songs verankert, individuell genug, um Gabriel als einen Mann erscheinen zu lassen, dessen kreativer Zenit kurz bevorsteht. 

Etwa zur selben Zeit wird in England das Computer Musical Instrument …

Wer ist wer, und wer ist Keyser Söze? - Die üblichen Verdächtigen (1995)

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und wenn uns der spätere X Men-Regisseur Bryan Singer anno 1995 eines lehren wollte, dann, dass nichts so ist, wie es scheint und dass jeder diesem tödlichen Spiel von Wahrheit und Lüge zum Opfer fallen kann - auch, ohne es zu wissen. Verhaften Sie Die üblichen Verdächtigen!

Die fünf amtsbekannten Gauner Fred Fenster (Benicio del Toro), Todd Hockney (Kevin Pollak), Dean Keaton (Gabriel Byrne), Verbal Kint (Kevin Spacey) und Michael McManus (Stephen Baldwin) werden im Zusammenhang mit dem Überfall auf einen Waffenteiltransporter auf einer New Yorker Polizeiwache verhört. Während der anschließenden Nacht lernen sich die Gangster kennen und beschließen, sich für einen Job, von dem McManus gehört haben will, zusammen zu tun. Nach der Entlassung kümmern sich die fünf um einen Taxitransfer von korrupten Polizisten, die einen schweren Drogenhändler sicher durch die Stadt transportieren sollen. Kint setzt seinen Plan - kein Blutvergießen - durch und so…