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Es werden Posts vom Januar, 2017 angezeigt.

Ryo Fukui - Scenery

Wer sagt eigentlich, dass Japaner keinen Jazz machen können? Das Land, das musikalisch im Westen wohl am ehesten für extrem verkopften Progressive Rock und, Zitat: vollkommen abgefuckte Scheiße wie Babymetal bekannt ist, zeigte sich mir - in meiner neu entflammten Neugier für Jazz und dank eines guten Tipps eines ebenso guten Freundes - auf vollkommen ungeahnte Weise. Musikalische Zeitreise in die 40er, wir kommen!
1976: Es dominieren der Hard Rock und der langsam sterbende klassische Prog Rock die Musikwelt. Jazz findet in der westlichen Welt vor allem in Form von Best-Of-Compilations und anstrengenden, ziemlich eintönigen Free-Jazz-Platten wie Archie Shepp Live In Antibes, welches meiner Meinung nach vollkommen auf tonaler Willkür basiert, statt. Doch in Japan sieht die Sache ein klein wenig anders aus: Mit Ryo Fukui erscheint im Land der aufgehenden Sonne ein junger Jazzmusiker auf der Bildfläche, der das Beste klassischer und neuer Jazzrichtungen zu verbinden weiß und dessen Debut…

Frank Sinatra - Come Fly With Me

Ich wollte eigentlich nichts über Frank Sinatra schreiben. Wirklich nicht. Denn was ist denn noch nicht über den größten Entertainer des 20. Jahrhunderts gesagt und geschrieben worden...? Eben. Doch das neuliche nächtliche Anhören seines 1958 eingespielten Albums Come Fly With Me hat mich eines Besseren belehrt und so beschere ich mir (und euch) einen kalten Freitagabend mit Frank Sinatra. Viel Vergnügen!

Von allen Sinatra-Alben, die ich bisher gehört habe (und das waren doch einige) hat Come Fly With Me mit Sicherheit den gelungensten Einstieg: Der gleichnamige Titelsong zeigt Ol' Blue Eyes bereits in swingender Höchstform, die Message könnte klarer nicht sein - Come fly, let's fly away. Es geht also ums Reisen. Und so besingt Sinatra die Insel Capri, das herbstliche New York, den Pariser Frühling oder den Bundesstaat Vermont bei Nacht. Dies geschieht mithilfe gewohnt hochklassiger Arrangements des Dirigenten Billy May, der hier erstmals mit Sinatra zusammenarbeitete.

En Deta…

Paul McCartney & Wings - Band on the Run

Vielleicht die Beatles, vielleicht die Plastic Ono Band, vielleicht jemand komplett der Imagination Paul McCartneys entsprungenes - niemand weiß so genau, wer die Band, die der dritten Platte der Wings 1973 ihren Titel gab, eigentlich sein soll. Auf jeden Fall ebnete sie den 
Wings den Weg zum kommerziellen Durchbruch - und zu einem der besten Beatles-Soloalben.

Das Album wird vom Titeltrack Band on the Run eröffnet, der sich ziemlich offensichtlich mit dem Zerfall der berühmtesten Band aller Zeiten beschäftigt - Zeilen wie All I need is a pint a day/If I ever get out of here machen gleich zu Beginn klar, dass für Paul McCartney die Beatles-Auflösung ein großer Segen gewesen sein muss. Und während der Song in progressiver Manier voranschreitet, sich von einer langsamen Softrockballade zu einem Uptempo-Track mit Folkeinflüssen entwickelt, zeichnet McCartney lyrisch eine satirische Version der Welt nach dem Breakup der Beatles: In the town they're searching for us everywhere, but we&…

Grace Jones - Slave to the Rhythm

Sie ist eine Fashion-Ikone, sie ist Schauspielerin, Model und nebenbei auch noch Musikerin: Grace Jones. 1950 auf Jamaica geboren, brach sie alsbald aus der streng religiösen Erziehung ihres Elternhauses aus und ging nach New York, wo sie schnell Anschluss fand, eine Karriere als Model und bald darauf auch als Musikerin nahm ihren Lauf. 
Fast Forward: 1984, zwei Jahre nach Erscheinen ihres sechsten Albums Living my Life, kehrt die große Frau wieder ins Studio zurück, um sich nach zwei Jahren des Schauspielens (unter anderem in dem James-Bond-Film Im Angesicht des Todes) wieder der Musik zu widmen. An Bord: der damals weltberühmte Frankie Goes To Hollywood-Produzent Trevor Horn, der das Konzept der neuen Platte mitbringt: acht radikal veränderte Versionen desselben Songs. Titel des Songs und des Albums: Slave to the Rhythm.
Rhythm is both the song's manical and its demonic charge. Mit dieser Verkündung startet die Platte, gleichsam einfach coole Einleitung sowie Vorwegnahme des Konz…

Genesis - Genesis

Wie ihr alle inzwischen wisst, bin ich großer Genesis-Fan, würde sie wahrscheinlich sogar als meine Lieblingsband bezeichnen. Als solch großer Fan kann ich eigentlich allen Bandphase - vom schmalzigen Bibelpop der 60er über den Prog Rock der 70er bis zum Prog Pop der 80er und 90er - etwas abgewinnen, von den Popplatten finde ich Invisible Touch sogar nahezu grandios. Doch während alle an dem 1986 erschienenen Werk meckern, es sei der absolute Tiefpunkt der Collins-Ära von Genesis, so darf sich bei mir ein anderes Album diesen Titel sichern: Das 1983 erschienene, schlicht Genesis getaufte Album ist wohl wirklich der absolute Nadir dieser Wahnsinnsband. Echt.

Dabei beginnt die CD mit dem Megahit Mama wirklich vielversprechend: Quasi eine Ensemble-Version von Collins' Solo-Hit In the Air Tonight mit genauso düsterer Atmosphäre und langsamem Spannungsaufbau, wurde das Stück trotz massenuntauglicher Inszenierung und eines ebenso massenuntaglichen Themas (Freier verliebt sich hoffnungsl…