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Es werden Posts vom August, 2017 angezeigt.

Wer ist wer, und wer ist Keyser Söze? - Die üblichen Verdächtigen (1995)

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und wenn uns der spätere X Men-Regisseur Bryan Singer anno 1995 eines lehren wollte, dann, dass nichts so ist, wie es scheint und dass jeder diesem tödlichen Spiel von Wahrheit und Lüge zum Opfer fallen kann - auch, ohne es zu wissen. Verhaften Sie Die üblichen Verdächtigen!

Die fünf amtsbekannten Gauner Fred Fenster (Benicio del Toro), Todd Hockney (Kevin Pollak), Dean Keaton (Gabriel Byrne), Verbal Kint (Kevin Spacey) und Michael McManus (Stephen Baldwin) werden im Zusammenhang mit dem Überfall auf einen Waffenteiltransporter auf einer New Yorker Polizeiwache verhört. Während der anschließenden Nacht lernen sich die Gangster kennen und beschließen, sich für einen Job, von dem McManus gehört haben will, zusammen zu tun. Nach der Entlassung kümmern sich die fünf um einen Taxitransfer von korrupten Polizisten, die einen schweren Drogenhändler sicher durch die Stadt transportieren sollen. Kint setzt seinen Plan - kein Blutvergießen - durch und so…

Kate Bush - Never For Ever

Nach der gestrigen Lionheart-Rezension schreiten wir nun chronologisch vor zu Kate Bushs drittem Album, ihrem ersten 80er-Output und dem stilistisch womöglich bedeutendsten Album: Never For Ever, erschienen im September 1980.

Gleich vorweg: dieses Album hat in England Geschichte geschrieben, denn Kate Bush wurde die Ehre zuteil, die erste Frau zu sein, die mit einem Studioalbum auf Platz Eins der Charts in England landen sollte. Gefördert wurde dies wohl wesentlich durch den Opener Babooshka, der gleichzeitig die große Hitsingle der Platte wurde. Eine gehörige Portion Minimalismus, die noch viel deutlicher hervortritt als auf den beiden Vorgängern, begleitet das Stück, welches von einer Frau handelt, die die Liebe ihres Mannes erproben möchte und sich als eine Idealversion von sich selbst (die Babooshka) ausgibt, womit sie jedoch erst Recht alles zerstört - Erklärung der Künstlerin selbst findet sich übrigens auch hier. Mit dem brechenden Glas gegen Ende wird klar: Katey hat den Fairl…

Kate Bush - Lionheart

Hört es jemals auf? Das werden sich einige regulars dieses Blogs vielleicht langsam fragen, aber ich kann nicht anders - ich höre zu gern Kate Bush, als dass ich nicht über ihre wunderbare Musik schreiben könnte. Und heute befasse ich mich mit ihrem zweiten Album Lionheart, kurz nach dem Erstling (den ich bereits rezensiert habe) erschienen und von Kritik sowie der Meisterin herself seitdem harsch kritisiert. Zurecht?

Der Einstieg ist ja schon mal vielversprechend: mit Symphony In Blue als Opener konnte Bush eigentlich nichts falsch machen - die Musik ist gewohnt sanft, der Text leicht geheimnisvoll irgendwo zwischen Sex (the root of our reincarnations) und plötzlichem Panikverlust (for now I know that I'm needed for the symphony) und der Vortrag für die Anfänge der Musikerin gewohnt bezaubernd. Weitere absolute Höhepunkte, die besonders festzuhalten sind, sind auf alle Fälle einmal Wow und Kashka From Baghdad - ersteres mit seiner Synthie-Spielerei im Intro und den dramatisch auf…

Die Leiden des jungen Helfgott: Shine - Der Weg ins Licht (1996)

David Helfgott ist einer der berühmtesten Pianisten der letzten Jahrzehnte. Besonders seine Rachmaninoff-Interpretationen ebneten ihm den Weg zum Ruhm. Doch wie viele Ausnahmegenies hatte auch der Australier keinen leichten Start ins Leben. Der australische Regisseur Scott Hicks war von der Geschichte des Mannes so berührt, dass er sie zu einem einzigartigen Musikerportrait machte. Nun - 15 Jahre nach der ersten Heimkinoumsetzung - hat Arthaus Shine - Der Weg ins Licht erneut auf DVD und Blu Ray veröffentlicht. Zeit, sich den Film endlich einmal anzusehen.

Eltern können grausam sein: im Falle des jungen David ist der dominante Vater (brillant und vielschichtig verkörpert von Armin Mueller-Stahl) für die musikalische Karriere seines Sohnes verantwortlich. Er treibt den Jungen zu Höchstleistungen, pflanzt ihm Weisheiten wie In dieser Welt überleben nur die Starken, die Schwachen werden wie die Insekten zerquetscht ein und überwacht akribisch jeden Schritt des Kindes. Dabei betont er ste…

Kate Bush - The Sensual World

Es muss verdammt schwer sein, auf einen künstlerischen und kommerziellen Erfolg einen qualitativ ebenbürtigen Nachfolger entstehen zu lassen. Der öffentliche Druck und die Erwartungshaltung der Fans sind etwas, woran viele Regisseure, Autoren und Musiker zu scheitern scheinen - siehe etwa die heftige Kritik, die Michael Cimino für seinen Deer Hunter-Nachfolger Heaven's Gate zuteil wurde. Doch Kate Bush wäre nicht Kate Bush, die Frau, die ich so verehre, wenn sie das nicht mit Bravour geschafft hätte: auf Hounds of Love folgte, vier Jahre später, 1989 The Sensual World - und auf Geniestreich folgte, tja... der nächste Geniestreich.

Besonders schwer sind Literaturumsetzungen in Liedform. Und ganz besonders schwer, wenn man sich als zu besingenden Roman Ulysses von James Joyce ausgesucht hat. Doch genau damit beginnt das insgesamt sechste Studioalbum der Britin: mit einem Quasi-Zitat des Höhepunkts von Molly Blooms 75-seitigem Monolog, der Ulysses beendet. Diesen hatte Bush in Form e…

Ferris macht blau (1986): Parodie und Perfektion eines ganzen Genres

Wenn du erwachsen wirst, stirbt dein Herz. So ziemlich jeder im Alter zwischen 15 und 40 Jahren dürfte mit John Hughes' The Breakfast Club vertraut sein. Der Film über grundverschiedene Teenager, die beim gemeinsamen Nachsitzen viel über die Anderen, über Empathie und über das Leben an und für sich lernen, ist bis heute der wohl berühmteste Vertreter der 80er-Jahre-Teeniefilmwelle, die mit den National Lampoon-Komödien ihren Ausgang nahm und von Hughes Mitte des Jahrzehnts auf ein ganz neues, tiefgründigeres Level gehoben wurde. Legte er mit Sixteen Candles und The Breakfast Club bereits zwei außerordentlich gelungene Genrevertreter vor, so sollte er die Welle 1986 auf ihren Höhepunkt und gleichzeitig ad absurdum führen - denn im Jahr von Sledgehammer und Top Gun erschien mit Ferris macht blau der wohl tiefgründigste, intelligenteste und gleichzeitig lustigste Teenie-Film der Filmgeschichte.

Matthew Broderick liegt krank im Bett und seine Filmeltern sind schockiert - ein ziemlich …

Ein Mann, vom Krieg entzwei gerissen: Lawrence von Arabien (1962)

Mut. Mut, das ist - nach Definition des Duden - die Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte. Aus Mut entspringen große Taten. Aus großen Taten entspringen Legenden. Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien, wurde schon zu Lebzeiten zu einer Legende hochstilisiert - unzählige Mythen ranken sich um den Beamten des britischen Nachrichtendienstes in Kairo, der die arabischen Stämme vereinte und in den Aufstand gegen das Osmanische Reich führte. Doch was, wenn auch am Ende einer solchen Legende nur ein Mensch steht? Einer, der sich im Verlaufe des Krieges immer mehr in der Wüste und damit in sich selbst verliert?

David Leans Epos beginnt ganz am Ende eines Heldenlebens: eines Tages fährt Lawrence mit seinem Motorrad aufs Land. Nach einigen Meilen kommt ihm ein Radfahrer entgegen, Lawrence muss ausweichen und kommt von der Strecke ab. Im Bild: seine Pilotenbrlle, traurig im Gestrüpp hängend. Der große Kriegsherr stirbt ausgerechnet be…

Von einem, der auszog, das Menschsein zu lernen: Der Texaner (1976)

1976 war der Western in seiner klassischen Form bereits lange tot. Subgenres wie der Spätwestern oder auch der Antiwestern waren mit Filmen wie The Wild Bunch – sie kannten kein Gesetz und Leichen pflastern seinen Weg im Kollektivbewusstsein deutlich lebendiger als die Schwarz/Weiß-Schemata der John-Wayne-Filme. Als Clint Eastwood sich nach dem persönlichen Rausschmiss des ursprünglichen Regisseurs Philip Kaufman (Die Körperfresser kommen, 1977) auf den Regiestuhl setzte, drehte er einen Film, der es zuweilen meisterhaft versteht, Elemente des klassischen Western und des Antiwesterns zu vereinen – dabei beginnt hier alles eigentlich ganz klassisch…
Der Farmer Josey Wales wird am Anfang des US-amerikanischen Bürgerkrieges von Guerillas der Nordstaaten überfallen, wobei er seine Farm und seine gesamte Familie im Feuer verliert. Daraufhin schwört Wales Rache. Bereits in der darauffolgenden Szene kommt es zum ersten Erwartungsbruch, denn der Held des Filmes muss zunächst aufgrund mangelnde…

3 Männer, 3 Pistolen, 3 Kugeln: Reservoir Dogs (1992)

Wer Quentin Tarantino hört, denkt automatisch an Pulp Fiction, an Kill Bill oder an Inglourious Basterds, den Film, der Christoph Waltz seinen internationalen Durchbruch bescheren sollte. Doch am Anfang einer Filmkarriere steht immer das Debut - und im Falle von Tarantino ist dieser Anfang, jener erste Vorstoß in das Kino, vielleicht auch gleichzeitig der absolute Höhepunkt, dessen Entstehungsgeschichte bereits den Stoff für viele Filme liefern könnte. Also Vorhang auf und spitzt die Ohren für die acht Reservoir Dogs!

Als Regisseur musst du nur wissen, was du willst - so wurde ich Regisseur. Diese Selbstdarstellung des Ausnahmegenies wirkt etwas trocken, apathisch gar. Doch im Falle Tarantinos dürfte sich der Weg zum Film tatsächlich so gefunden haben: nach einigen Schauspielkursen besucht der junge Quentin in den Achtzigern einen Regieworkshop von Robert Redford, bei dem er Monty Python-Mitglied Terry Gilliam (Time Bandits, Fear and Loathing in Las Vegas) trifft. Dieser ermutigt ihn z…