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Es werden Posts vom Oktober, 2017 angezeigt.

Falco - Einzelhaft

Oder: als der Falke ausflog, um mit der Apathie seiner Generation berühmt zu werden.

Wien: das ist sozialer Knotenpunkt, Kulturhochburg und magischer Ort der Selbstentfaltung für viele junge Österreicherinnen und Österreicher. So sagt man. Ebenso ist Wien jedoch Prostitution, Armut und Drogenumschlagsplatz, im Guten wie im Schlechten etwas von einer Miniaturausgabe Berlins. Und was Berlin 1982 die Einstürzenden Neubauten, das war in Wien Falco. Ein famoses Debut, das auch heute noch von den ewig frischen Grooves und der genauen Beobachtung seiner Scene lebt.

Sehr minimalistisch kommt das Gros der Platte daher. Der Opener Zuviel Hitze bedient sich lediglich einer sanften Drum Machine, eingestreutem Bass und wenigen Gitarren- sowie Keyboardfragmenten. Aber ehrlich - zu diesen Texten passt weder der Pomp von Pink Floyd noch die grobkörnigen Schlachtgesänge der Sex Pistols oder der frühen Clash. Falco beschwört ein Wien der Nacht herauf, eines, das sich am Straßenstrich, in Junkiewohnungen …

Der Pate - Teil II (1974)

Everything dies... im zweiten Teil der Pate-Trilogie muss der neue Don dies am eigenen Leib erfahren und verliert dabei seinen Verstand.

Nach dem Erfolg von Der Pate war man bei Paramount darauf bedacht, von Regisseur Francis Ford Coppola möglichst schnell einen Nachfolger präsentiert zu bekommen. Dieser weigerte sich jedoch vehement und wollte den zweiten Paten von seinem Kollegen Martin Scorsese (Hexenkessel) drehen lassen. Nach vielen Überwürfen fand sich Coppola jedoch erneut im Regiestuhl der Corleones. Und es war verdammt gut so: Der Pate - Teil II gilt als eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten und rangiert auch bei mir persönlich an höherer Position als der Vorgänger. Eine Beschreibung des Wahnsinns.

Wie auch in Teil 1 wird die grundlegende Motivik des Films in der ersten Szene offengelegt: es geht um den Tod. Um den Verlust geliebter Menschen, um Rache. Der neunjährige Vito Andolini begleitet seine Mutter auf das Begräbnis seines Vaters, den der Mafiaboss des kleinen sizili…

Der Pate (1972)

Bonasera, was habe ich dir getan, dass du mich so respektlos behandelst? Du kommst in mein Haus, am Hochzeitstag meiner Tochter, und bittest mich, einen Mord zu begehen... Ein großer Film über eine große Familie in einer großen Zeit.

Ich glaube, jeder hat schon einmal Der Pate gesehen. Wirklich, das ist meine feste Überzeugung. An Francis Ford Coppolas Mammutwerk vorbeizukommen, ohne stehen zu bleiben und es zu betrachten, das ist eigentlich nicht machbar. Zu oft wurde die Geschichte um die Familie Corleone in anderen Medien aufgegriffen, wurde parodiert, ihr wurde Tribut gezollt. Zu diesem Film steht wohl nahezu schon alles geschrieben, was man schreiben kann. Dessen ungeachtet, ist es für mich ein absolutes Muss, diesen Film auf meinem Blog zu besprechen. Das bin ich alleine schon der Geschichte meiner Leidenschaft für Film schuldig. Ein Versuch, den Paten nicht zuletzt auch in einen persönlichen Kontext einzuordnen.

Es wirkt wie das Abtauchen in eine andere Zeit: Coppolas Grandeur,…

In der Hitze der Nacht (1967)

Der Süden der USA war ja noch nie für Weltoffenheit und Toleranz bekannt. Ein Film aus dem Gestern für das Heute.

Schon die Einführung ist ein zweischneidiger Kunstgriff: vollkommene Finsternis. Aus der Ferne nähert sich die riesige Leuchte eines alten Zuges. Die roten Warnsignale leuchten im Takt der Musik, die das Geschehen begleitet, auf. Es ist Ray Charles, der das Titellied In the Heat of the Night vorträgt. Zum Einen merkt man: es wird sich wohl um einen schwarzen Protagonisten handeln. Und zum Anderen: die Finsternis deutet an, dass die nächsten zwei Stunden einen unschönen Blick auf den Alltagsrassismus im dirty south werfen werden - eine dunkle Seite der menschlichen Seele, um das Bild jetzt begreiflich zu machen. Diese zwei Einstiegsminuten mit ihren raffiniert übereinandergelegten Bildern, den Lichtspielen, die allmählich einen ersten Blick auf das provinzielle Setting des Plots erhaschen lassen, sind bereits Gold wert. Und in all ihrer Kürze und Prägnanz zeitlos. Das typis…

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981)

Dann sind wir Helden... für einen Tag...

Ich stelle einfach mal die Behauptung auf, dass der gesamte deutschsprachige Raum zwischen 30 und 50 dieses Lied automatisch mit der Geschichte der Christiane F., die mit 12 an die Drogen und mit 14 auf den Strich kam, verbindet. Das alleine zeigt also schon, dass diese Geschichte eingeschlagen hat wie kaum eine andere. Vor allem die Verfilmung des Buches Wir Kinder vom Bahnhof Zoo dürfte mit 3 Millionen Besuchern in der BRD, 10-seitigen Reportagen im Spiegel und einem gleichzeitig erschienenen Soundtrack von David Bowie ihre Spuren in der Öffentlichkeit hinterlassen haben.
Der besondere Brandpunkt war damals vor allem die Frage, ob der Film letzten Endes nicht doch eher seine Zielgruppe - Teenager - zum Drogenkonsum verführt, anstatt sie abzuschrecken und zu verstören. Ein grundsätzlich berechtigter Einwand - doch soll ein Film überhaupt erziehen und somit eine zentrale Aufgabe von Eltern übernehmen? Und ist der Film diese Diskussion überhaupt…

Womit leben wir?: Der Exorzist (1973)

Wenn ich mir aktuell erfolgreiche Horrorfilme wie ES oder das 2009 erschienene Reboot von Freitag der 13.  ansehe,  wird mir wieder und wieder schmerzlich bewusst, wie sehr das Genre an seiner Salonfähigkeit seit den 90ern leidet. "Große" Horrorfilme von Big-Budget-Studios sind heute keine Seltenheit mehr und leben in erster Linie von plumpen Schockeffekten und CGI-Überladung. 

Doch das war nicht immer so. In einer Zeit, als Horrorfilme meistens in schäbigen Bahnhofskinos, in Autokinos oder in Mitternachtsaufführungen über die Leinwand flimmerten, erschien ein Film, der mit bekannten Darstellern, großem Budget und einem der renommiertesten Filmstudios seiner Zeit aufwarten konnte und trotzdem wunderbar funktionierte - im Dezember 1973 ließ Warner Bros. The Exorcist auf das Publikum los. Mythen und Legenden umranken die ersten Aufführungen: in New York City sei es während des Films zu Fehlgeburten gekommen, Menschen mussten sich angeblich übergeben, christliche Therapeuten sp…

Laserdisc: Kate Bush - The Whole Story

A pure dialogue of fiction:
-Kate is on television? 
-Yeah, but she doesn't seem comfortable with it.
-What a shame.

Als ich im vergangenen Sommer in einem kleinen Plattenladen in Amsterdam, eingepfercht zwischen mal mehr, mal weniger empfehlenswerten "Irish Pubs", Hotels und fremdländischen Souvenirshops, die DVD Peter Gabriel: PLAY the Videos in den Händen hielt, kam ich nicht umhin, mich zu fragen: Wieso hat Kate Bush eigentlich nie eine DVD veröffentlicht? Und das frage ich mich immer noch. Der einzige Weg, heute noch an eine (offizielle) physische Kopie der oft fantastischen Kurzfilme, die Songs wie Cloudbusting oder The Dreaming veredeln sollten, zu gelangen, ist die Anschaffung einer der VHS/Laserdisc-Compilations, mit denen EMI in den 80ern möglichst viel Profit aus der Britin herausquetschen wollte. Um eine möglichst komplette Werkschau zu bekommen, fiel meine Wahl auf The Whole Story, erschienen 1986, auf der zwar die drei Videos von The Sensual World sowie die Re…