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Plattenbörse in der Salzburger Panzerhalle (3.12.2016)

Als großer Musikfan und Hobby-Vinylsammler war es für mich natürlich ein Muss, die Plattenbörse in meiner Heimatstadt Salzburg zu besuchen, welche gestern in der Panzerhalle stattfand. Natürlich habe ich auch einige - teils lange gesuchte - Mitbringsel erwerben können, die ich in diesem Post kurz vorstellen möchte.


Foto: Bernadette Maria Kaufmann
Beim Eintritt in die Veranstaltungshalle war ich gleich mal ziemlich überrascht, war doch von den angekündigten 350 Besuchern und 30 Ständen noch recht wenig zu sehen - das mag jedoch daran gelegen haben, dass ich bereits eine halbe Stunde nach Eröffnung dort war. Genug Auswahl gab es dennoch schon - auf dem Foto links sieht man bereits den ersten großen Stand, an dem ich auch gleich fündig geworden bin - , also hieß es sogleich: Rein ins Vergnügen! Auf meiner Odyssee durch die nicht enden wollenden Stapel von LPs, Singles, LPs, CDs und sogar DVDs hielt ich einiges an Raritäten in den Händen - Amon Düül IIs Phallus Dei beispielsweise, ein wahrer Monolith des deutschen Progressive Rock der 70er, die Funk-Platte Eric Burdon declares WAR oder auch alte Iron-Maiden-Pressungen von Killers oder Powerslave, Kill 'Em All von Metallica, et cetera, et cetera. Freundliche Fachsimpeleien mit den Verkäufern waren ebenso angesagt wie das Amusement über überzogene Preise, frei nach dem Motto: irgendwer lässt schon 22 Kröten für eine alte Chicago-Platte rüberwachsen ;)

Doch kommen wir nun endlich zu meinen Fundstücken, die bereits in der heimischen Plattensammlung ihren wohlverdienten Platz gefunden haben:


David Bowie - The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars

Cover/Vinyl: NM/NM
Preis: 15 Euronen
Jahr: 2014
Eine sehr schöne Pressung des Albums von David Bowie welches ich hier bereits ziemlich kritisch rezensiert habe. Aber sei's drum, ich wollte das Album unbedingt noch einmal als Vinylausgabe haben. Die Pressung ist eine inoffizielle Nachpressung, welche vermutlich Ende 2014 auf den Markt gelangt ist. Wie man rechts jedoch sehen kann, ist die Platte in schickem Rot gehalten, was sie für mich absolut besitzenswert macht. Das Cover ist bis ins kleinste Detail dem Original von 1972 nachempfunden, gleich dick und haargenau gleich bedruckt. Zum Klang kann ich (wie bei allen anderen Platten hier auch) noch nichts sagen, da mein alter Plattenspieler kürzlich seinen Dienst quittiert hat und ich noch auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger bin, doch in einschlägigen Foren wird der Sound dieser Pressung sehr gelobt und als bombastisch und dennoch dynamisch beschrieben, was man sich bei diesem Album doch nur wünschen kann :) Auf die Platte gestoßen bin ich eigentlich nur, weil ich meiner Schwester gesagt habe, ich würde die Börse nicht ohne eine Bowie-Platte verlassen, woraufhin mich sofort ein Händler zu seinem Stand gezerrt und mir strahlend die Platte in die Hand gedrückt hat - ja ja, sowas passiert nicht beim MP3- oder CD-Kauf...;)


Various Artists - Eraserhead: Original Soundtrack

Cover/Vinyl: NM/NM
Preis: Ebenfalls 15 Kröten
Jahr: Unbekannt



Das nächste Stück in der Sammlung ist ein ganz besonderes Schätzchen für mich: Ebenfalls eine inoffizielle Nachpressung, und zwar eine inoffizielle Nachpressung des Soundtracks zum Regiedebut des genialen Künstlers David Lynch, der vielen durch seine Serie Twin Peaks sicherlich ein Begriff ist. Eraserhead ist ein surrealer Film über einen Mann in einer Industriestadt, dessen Freundin ein Monster zur Welt bringt und ihn damit alleine lässt, woraufhin ständig eine kleine Frau in der Heizung singt. Der Soundtrack ist beherrscht von Industrial-Sounds und experimentaler Electronic-Musik und wurde in einem Tonstudio, welches behelfsmäßig in einer alten Garage eingerichtet wurde, abgemischt. Ich kann zum Sound dieser speziellen Pressung noch nichts sagen, doch alle bekannten Pressungen sind für den Sound bekannt,  der auch im Film vorherrscht, sollen also sehr originalgetreu sein. Sämtliche Vinylausgaben dieses Soundtracks sind sehr gesucht, weshalb ich umso glücklicher bin, diese Pressung so günstig erworben zu haben.


Various Artists - The Giants of Jazz


Cover/Vinyl: NM/VG+
Preis: sehr geile 8 Euro :)
Jahr: 1963 (Erstpressung)

Diese Platte ist ein Sampler, der von CBS 1963 in den USA und dem Vereinigten Königreich veröffentlicht wurde, um die Vielzahl von Jazzkünstlern, die damals auf CBS veröffentlichten, einer breiten Masse vorzustellen oder einfach neue Stücke bekannter Musiker zu präsentieren. Die verschiedensten Stile von Dixieland bis Bop sind hier versammelt, performed von Künstlern wie Miles Davis, Dave Brubeck oder Thelonious Monk.

Die Platte ist für ihr Alter von fast 54 Jahren in exzellentem Zustand, das Vinyl selbst ist schön schwer und dick, die Klangqualität steht für mich hier außer Frage, da andere Platten aus diesem Zeitraum, die ich besitze, allesamt exzellenten Sound bieten - ganz besonders die CBS-Platten! 
Der Kauf war ein Spontankauf, ich wollte einfach mal eine Jazzplatte besitzen, was ich somit nun geschafft habe.


Dire Straits - Making Movies

Cover/Vinyl: VG+/NM
Preis: 5 Euro
Jahr: 1980 (Erstpressung)
Die Dire Strais - ohnehin eine meiner Lieblingsbands und zugleich eine der erfolgreichsten aller Zeiten - dürfen natürlich in keinem Plattenladen und auf keiner Plattenbörse fehlen. Während sich jedoch fast alle Stände auf die enorm erfolgreichen Platten Love Over Gold, Alchemy Live und natürlich Brothers In Arms beschränkten, konnte ich bei einer alten Dame, die eine riesige Kiste mit der Aufschrift 5 Euro pro Stück auf ihrem Tisch stehen hatte und auch gleich die Pokemon-Sammlung ihrer Enkel verscherbeln wollte, das mir noch fehlende dritte Album der Band, Making Movies, ergattern - versteckt zwischen Unmengen an Hasselhoff- und Madonna-Scheiben ^^

Schönerweise liefert auch diese Scheibe die Songtexte gleich auf der Innenhülle mit, sodass kein Hörer die geniale Erzählkunst des Mark Knopfler verpassen kann. Der Sound bietet noch eine Symbiose aus dem einfachen Gitarrensound der ersten beiden Platten und dem Bombast der späteren Werke, die Platte gilt nicht ohne Grund als Höhepunkt des Bandschaffens. 

Das Vinyl ist ebenfalls in einwandfreiem Zustand, bis auf wenige oberflächliche Kratzer gibt es nichts zu beanstanden und klangtechnisch bewegen sich ohnehin sämtliche Dire Straits-Veröffentlichungen auf absolutem Top-Niveau. Mir gefällt das rechts abgebildete rote Label besonders gut; schade, dass es die Plattenfirma nur so kurz in Verwendung hatte. 
Insgesamt also ein Kauf ohne große Überraschungen, aber dafür ein persönliches Must Have, welches nun endlich im Regal thronen darf!


Genesis - A Trick of the Tail

Cover/Vinyl: VG/VG
Preis: 3 (!!) Euro!
Jahr: 1975 (Erstpressung)

Nun wird es wahrlich persönlich, denn zu guter Letzt konnte ich auch noch zwei Platten meiner ewigen und absoluten Lieblingsband Genesis ausgraben. Den Anfang macht heute Abend das Album A Trick of the Tail, das erste Album der Band nach dem Ausstieg Peter Gabriels 1975 und das erste mit Phil Collins als Sänger. Im Gegensatz zu dem, was man sonst in der Regel mit Phil Collins assoziiert, ist auf diesem Album von Pop weit und breit nichts zu hören, dies hier ist noch ein waschechtes Progressive Rock-Album aus der Spätphase des klassischen Progressive. Der günstige Preis der Platte erklärte sich, als ich sie vor dem Kauf näher begutachtete:der Klebstoff hatte sich auf der Innenseite des Klappcovers bereits gelöst und die Platte war von vielen kleinen Oberflächenkratzern übersät. Doch das Nachkleben war mir mit UHU ein Leichtes und mit dem Gedanken an meine fast schon gänzlich zerstörte Otto Waalkes-Platte, die trotz abnormal vieler Kratzer störungsfrei läuft und läuft und läuft, waren auch die kleinen Kratzer kein Problem mehr (denn diese beeinträchtigen die Soundqualität nur marginal, wenn überhaupt). Auf der Innenseite sind - wie früher üblich - die Songtexte abgedruckt, verschönert mit Illustrationen im Märchenbuch-Stil, welche die Stimmung der Platte sehr gut einfangen. Wie bei den frühen Genesis üblich, wird die Platte von einem magischen, typisch britisch-exzentrischen Flair bestimmt, gewisse klangliche Abgehobenheit macht sich in nicht endenden, teils zehn Minuten langen Instrumentals ebenso bemerkbar wie ein tiefgreifendes Musikverständnis aller Beteiligten. 
A Trick of the Tail zählt zu den besten Platten der Band, was ich auch bestätigen kann. Bei einer solch gelungenen Platte macht man doch umso lieber ein Schnäppchen!


Genesis - The Lamb Lies Down on Broadway

Cover/Vinyl: VG/NM
Preis: 14 Euro
Jahr: 1974 (Erstpressung)

Die zweite Genesis-Platte, die hier präsentiert wird, wird mittlerweile einheitlich als das beste Album der Band bezeichnet. Dabei war die Produktion für einen Großteil der Band ein echter Horror, so steigerte sich Peter Gabriel immer mehr in das Album hinein, riss das Verfassen sämtlicher Songs an sich und herrschte über den Rest der Band. Finanziell war die Platte für die Band ein Desaster: Recht erfolgreich in den britischen Charts, verschlangen die Produktion und die anschließende Tournee so viele finanzielle Ressourcen, dass Genesis anschließend gezwungen waren, durch einen allmählichen Imagewandel hin zur kommerziellen Popmusik wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Zudem waren die zeitgenössichen Kritiken allerbestens lauwarm, The Lamb wurde als wirr und zu lang abgetan. In der Tat waren und sind Doppelalben in der Musik nun mal immer ein Risiko. Doch kommen wir nun zum erworbenen Exemplar: Das Klappcover weist mehrere Schäden, verursacht durch abgezogene Aufkleber, auf:
Diese Schäden sind zwar für den Sammler ärgerlich, doch im Internet hätte ich für das Album als Vinyl mit Versand gleich mal das Doppelte hingelegt, weswegen ich diese kleinen Diskrepanzen gerne hinnehme. Außerdem - und das hat mich wirklich gefreut! - liegt der Platte die nicht mehr allzu häufig anzutreffende deutschsprachige Erklärung der Geschichte bei - zwar im Prinzip einfach die Übersetzung von Peter Gabriels Text auf der Innenseite des Gatefold-Covers, aber dennoch ein sehr cooles Gimmick für mich als großen Genesis-Fan.  

Der gefaltene Zettel mit der Erklärung ist rechts abgebildet ;der Verkäufer beteuerte jedoch, der Zettel sei nicht mehr dabei, da es sich um eine Nachpressung von 1975 handle. Für diesen Händlerirrtum war ich gleich umso bereiter, 14 Euro für dieses historische Album hinzulegen und freue mich darüber wie ein Schneekönig. 
Für dieses lange Album (Laufzeit beinahe 1 3/4 Stunden!) muss man sich Zeit nehmen, und da ich wie gesagt momentan weder einen Plattenspieler noch die nötige Zeit habe, werden etwaige Kritiken der Platten wahrscheinlich erst im neuen Jahr erscheinen - sofern sie überhaupt kommen. Jedenfalls könnt ihr nebenstehend das Album in seiner ganzen Pracht auf wunderschönem schwarzem Gold bewundern und versteht womöglich, weshalb ich viel lieber Platten als CDs kaufe, denn das haptische Gefühl allein ist den eventuellen Aufpreis schon wert; man spürt einfach, etwas in den Händen zu halten und geht eine viel intensivere Bindung mit der aufgespielten Musik ein. 
Die nächste Plattenbörse in Salzburg findet übrigens am 8. April 2017 im Wyndham Grand Hotel (in der Nähe des Hauptbahnhofs) statt - vielleicht sieht man sich ja :)

Wer sich jetzt für Vinyl interessiert, anbei ein paar Links:



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